Ask.fm – Eine andere Art von Tanz

Gastbeitrag von Marie sp, 14

Der 15jährige Mark dreht vor laufender Kamera einen Joint. Die 10jährige Anna erzählt aus ihrem harten Leben. Gina, 13, macht Werbung für ihren eigenen Youtubekanal. Alles für Likes und Fame. Desto spannender man ist, desto mehr Klicks sind drin. Jedem seine 15 Minuten Ruhm. Was in offiziellen Medien kommt, ist schon lange Schnee von gestern. Vorbilder auf Ask sind Simon Desu oder Außenseiter, Youtube-Stars, die durch ihre lustige Art berühmt geworden sind. Doch nicht jeder schafft den Sprung in die Popularität. Alles was geschrieben wird, kann jeder lesen, Lehrer, Eltern, Klassenkameraden.

Paula, 15 Jahre alt, sitzt weinend bei der Polizei, weil die Bikini Bilder, die sie für ein paar Likes auf ask.fm hochgestellt hat, jetzt überall rumgehen. Sie bekommt anonyme Drohungen wie: “Du Schlampe ich bringe dich um“. Oder auch: „Du bist erbärmlich, lächerlich“. Klar, man fragt sich, was sich das Mädchen dabei gedacht hat. Aber so funktioniert Ask.fm. Menschen machen sich völlig abhängig von ihren Fans und übertreten dabei Grenzen, die sie gar nicht wahrnehmen. Konsequenzen spüren sie erst nach den Dramen. Trotzdem: Ask.fm ist auch eine neue Art von Tanz. Es wird keine Battle zwischen Oberschicht und Unterschicht entschieden, sondern nur auf Kreativität und Humorfaktor geachtet.

.fm ist eine Internet-Plattform, die immer häufiger von Jugendlichen genutzt wird. Es werden Fragen an den jeweiligen Nutzer gestellt, die dieser dann beantworten kann. Die Fragen kann man auch anonym schreiben, als registrierter oder als nicht registrierter User. Nach dem Beantworten ist es jeder Zeit möglich, den Text zu löschen. Die Fragen sind erst nach der Beantwortung zu sehen. Es sind über 30 Millionen registrierte Teilnehmer. Geründet wurde die Seite von Ilja Terebin, Mark Terebin und Oskar Liepins. Die Möglichkeit Videoantworten zu geben, existiert seit Mai 2011. Von vielen wird Ask.fm als größte Cybermobbingplattform beschrieben. Da mit den Fragen viele Beleidigungen kommen, die meist anonym sind. Die Jugendlichen antworten, um ihren eigenen Stolz nicht zu verlieren und treiben so die Täter zu Mehr an.

Vielleicht ist die Beliebtheit von Ask.fm gerade von diesem Effekt abhängig. Paula werden die Folgen ihrer Bilder wahrscheinlich noch lange begleiten. Möglicherweise bekommt sie einen bestimmten Job nicht. Auf ihrer Schule wird sie deswegen gemobbt. Sie sagt, sie weiß auch nicht weiter. Ein Neustart ist nicht möglich. Schließlich ist sie jetzt in jeder Schule ihres Umkreises bekannt, was sie ja zuerst auch toll fand – bis zur fatalen Wendung. Paula musste erst in eine andere Stadt ziehen.